Fritz Mayer van den Bergh (1858-1901) war ein leidenschaftlicher Kunstsammler und seiner Zeit weit voraus. Er interessierte sich bereits für die mittelalterliche Kunst der Niederlande und die Kunst der Renaissance (14. bis 16. Jh.), als diese noch ein Schattendasein fristeten. In den vergangenen zweihundert Jahren sind Kunstwerke aus jenen Epochen unbezahlbar geworden. Mayer van den Bergh war vor allem von Pieter Bruegel d.Ä. fasziniert.

 

Malerei

Zu der umfangreichen Gemäldesammlung gehören eindrucksvolle kleinformatige Tafelbilder und Ölgemälde aus dem 13. bis 18. Jh. Dazu gehören die Meister der altniederländischen Malerschule. Das berühmteste Gemälde ist die „Dulle Griet“ (Tolle Grete), das Pieter Bruegel d.Ä. 1561 schuf. Mayer van den Bergh entdeckte es bei einer Auktion in Köln, wo niemand sich für die „rätselhafte Landschaft“ interessierte. Er erwarb das Tafelbild für einen Spottpreis und konnte es schon einige Tage später definitiv zuschreiben lassen.

 

Bildhauerei

Die Sammlung von Bildhauerwerken deckt den Zeitraum vom 12. bis zum 18. Jh. ab. Das Spitzenwerk ist die lebensgroße Christus-und-Johannes-Gruppe (ca. 1280-1290) von Meister Heinrich von Konstanz, eine der ältesten und anrührendsten mittelalterlichen Darstellungen dieses Themas. Weiter besitzt das Museum seltsame Retabel sowie prächtige Alabaster-, Holz- und Elfenbeinschnitzereien.

 

Zeichnung, Drucke und angewandte Kunst

Außer Zeichnungen und Stichen aus dem Zeitraum 16. bis 19. Jh. besitzt das Museum auch eine umfangreiche Sammlung angewandeter Kunst, die von Silber und Wandteppichen über Spitze, Keramik, Porzellan, Münzen und antike Skulpturen bis zu illuminierten Handschriften reicht. Einzigartig ist das „Breviarium Mayer van den Bergh“ (Gent-Brügge, ca. 1500). Dieses Stundenbuch, ein Prunkstück südniederländischer Miniaturmalerei, wurde möglicherweise für die Königin von Portugal geschaffen.

 

Ein intimes und stimmungsvolles Museum

Fritz Mayer van den Bergh starb im Alter von 43 Jahren. Nach seinem Tod ließ seine Mutter Henriette (1838-1920) für die Sammlung ihres Sohnes ein Museum erbauen. Das würdevolle, neogotische Gebäude erinnert an ein Patrizierhaus aus dem „goldenen Jahrhundert“ Antwerpens, an jene Zeit also, der die ganze Liebe des Sammlers gegolten hatte. Die Gemälde, Skulpturen, Tapisserien, Zeichnungen und Stiche, aber auch die Bleiglasfenster beschwören auf authentische Weise das Leben und Wirken Mayer van den Berghs.